Newsletter No 5

Wovon wollen wir in dem Newsletter No 5 berichten:

Einen Newsletter Anfang 2021 zu schreiben, ohne das Thema Corona zu erwähnen, hieße im Zensurendeutsch: Thema verfehlt. Trotzdem soll es an dieser Stelle nicht groß ausgefaltet werden, weil die uns wichtig erscheinenden Themen immer dann kommuniziert werden, wenn sie auf den Tisch kommen. Wir möchten es heute bei einigen Sätzen zum Thema Impfen belassen, die von unserem Kollegen Dr. Haunerland stammen, von der KVWL beauftragter Leiter des Impfzentrums in Salzkotten. Da dieser Bericht bereits vor 14 Tagen in unserer Büro eintraf, bitten wir um Verständnis, wenn die eine oder andere Passage von der Realität bereits überholt ist.

Allerorten wird davon geschrieben, dass Corona der Digitalisierung auch im Gesundheitswesen einen wichtigen Schub verleiht. Spürbar ist das sicher mittlerweile vielen von uns. Deshalb hatten wir ursprünglich vor, trotz Corona in zwei Beiträgen über den Stand unserer beiden Projekte zu berichten, die für uns von großer Bedeutung sind:

  1. Das endgültige Ende der Kommunikation per Fax – wo stehen wir mit unserer Lösung mediQuu Connect? Was für eine Rolle spielt KIM in diesem Zusammenhang?
  2. Stand unseres Leuchtturmprojekts „Digitale Gesundheitsplattform OWL“, an dem wir zusammen mit den Paderborner Krankenhäusern dank Fördermittel vom Land NRWarbeiten

Diese Berichte wären noch vor 14 Tagen aktuell gewesen. Wie es aber typisch ist für die Schnelllebigkeit in der IT, künden sich Änderungen aus Richtung Berlin an, die Fragen zu diesen Projekten aufwerfen. Deshalb möchten wir es bei wenigen Sätzen belassen: Wir rechnen damit, dass mediQuu-connect vorerst weiter für uns seine Relevanz behält: zum einen wegen seiner besonderen Anwenderfreundlichkeit, zum anderen, weil es bereits jetzt von allen interessierten Partnern genutzt werden kann. Hingegen erfährt das Projekt „digitale Gesundheitsplattform OWL“ eine Modifizierung, deren genau Richtung derzeit diskutiert wird, sicher aber seinen ganz speziellen Beitrag leistet zur digitalen Transformation im Gesundheitswesen. Eine Ahnung dessen, was die Zukunft für uns Ärzte bringt, vermittelt ein Artikel im „Ärzteblatt.de“ mit dem Titel: Drittes Digitalisierungsgesetz kurz vor Kabinettsbeschluss.

Ansonsten können Sie sich wie immer über die Links in unserem Newsletter und auf unserer Homepage die laufenden Angebote des Praxisnetzes anschauen.

 

aerzteblatt.de

Drittes Digitalisierungsgesetz kurz vor Kabinettsbeschluss

Montag, 18.1.2021

Berlin – Der Entwurf eines Gesetzes zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz – DVPMG) soll übermorgen im Bundeskabinett beschlossen werden. Unter anderem soll ein neues Verfahren zur Prüfung der Erstattungsfähigkeit „digitaler Pflegeanwendungen“ etabliert sowie die digitale Gesundheitsinfrastruktur weiter ausgebaut werden. Um die Leistungserbringer von einer jeweils individuellen Durchführung einer Datenschutz-Folgenabschätzung zu entlasten, soll außerdem die Folgenabschätzung für die Verarbeitung personenbezogener Daten mittels der Telematikinfrastruktur (TI) bereits im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens durchgeführt werden. Vorgeschrieben ist eine solche Abschätzung in der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). In diesem Rahmen würden die Leistungserbringer auch von der Pflicht zur Benennung eines Datenschutzbeauftragten befreit.

Das Bundesgesundheitsministerium rechnet mit einer Entlastung der Leistungserbringer von rund 731 Millionen Euro für die entfallende erstmalige Datenschutzfolgenabschätzung sowie weiteren 549 Millionen pro Jahr für Abschätzungen, welche regelmäßig aufgrund von Updates der TI anfallen würden. Der Normenkontrollrat bezeichnet diese Summen jedoch als „nur eingeschränkt nachvollziehbar“.

Zudem sieht der Gesetzentwurf vor, zum 1. Januar 2022 den Betrag für die Finanzierung der Gesellschaft für Telematik (Gematik) anzupassen. Die Beitragserhöhung soll beim GKV-spitzenverband zu geschätzten Mehrkosten in Höhe von jährlich 27 Millionen Euro führen, die durch eine Umlage von den gesetzlichen Krankenkassen refinanziert werden.

Vorgesehen ist zudem, Heil- und Hilfsmittelerbringer, Erbringer von Soziotherapie und von Leistungen in zahnmedizinischen Laboren perspektivisch an die TI anzubinden. Die Gematik soll den Auftrag erhalten, einen „sicheren und an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer angepassten Zugang“ zur TI als „Zukunftskonnektor oder Zukunftskonnektordienst“ zu entwickeln.

Die Übermittlungsverfahren der TI sollen um ein Videokommunikationsdienst und einen Messagingdienst erweitert werden. Versicherte und Leistungserbringer sollen ab 2023 digitale Identitäten erhalten, um sich zum Beispiel für eine Videosprechstunde sicher authentifizieren zu können.

 

Auf Los geht´s los – Impfen in Deutschland 2021

Die weltweiten Impfungen zum Schutz vor Covid-19-Infektionen haben im Dezember 2020 begonnen – am 27.12. auch im Kreis Paderborn.

Dank des schnellen Zulassungsprozesses und der schon weit vor dessen Ende begonnenen Errichtung von Produktionsstätten war so viel Impfstoff vorhanden, dass innerhalb von 4 Wochen in Deutschland weit über eine Million Menschen geimpft wurden, im Kreis Paderborn über 4000. Zwangsläufig gelingt eine solche Mammutaufgabe, die auf die Impfung von ca. 60 Millionen Menschen in Deutschland abzielt, nicht ohne Probleme. Das wird jedem klar sein, der sich näher mit diesem Projekt befasst. Die Umstände haben es mit sich gebracht, dass auch ich (obwohl nur  ehemaliger Krankenhaus-Gynäkologe) zu den Personen gehöre, die tief in das Thema eingedrungen sind (auf was habe ich mich als rüstiger Rentner da nur eingelassen!).

Wenn nur begrenzt Impfstoff zur Verfügung steht, kann nicht das ganze Land gleichzeitig geimpft werden. Insofern war es klug, eine Priorisierung vorzunehmen; das hat allerdings zur Folge, dass viele mit der Konkretisierung nicht zufrieden sind. Logisch, dass die Minister Spahn und in NRW Laumann Prügel beziehen. Aber ehrlichweise zweifele ich daran, ob das anderen in dieser verantwortlichen Position besser gelungen wäre (wenn auch ich selbst mir schon häufig die Haare gerauft habe angesichts des Ausgestaltung des Bestell- und Verteilungsprozesses).

So erhalten den ersten Zugriff auf den Impfstoff die stationären Altenpflegeheime. Aber was ist ein stationäres Pflegeheim? Gehören die in den letzten Jahren neu entstandenen Seniorenwohngemeinschaften dazu? Ist außerklinische Intensivpflege darunter zu subsummieren? Und warum die Heime für Behinderte nicht? Sind etwa selbstständige Physiotherapeuten, die ausschließlich in einem bestimmten Pflegeheim arbeiten, als Mitarbeiter dieses Pflegeheimes anzusehen? Solche Fragen mussten im Zusammenspiel der Zuständigkeiten geklärt werden: der Aufsichtsbehörde des Kreises, der KVWL in Dortmund, dem MAGS in Düsseldorf und uns Akteuren im Impfzentrum. Im zweiten Schritt der Impfung sind jetzt die Krankenhäuser und die ambulanten Pflege- und Rettungsdienste an der Reihe; die einen sagen: „zu spät“, andere würden gerne risikobehaftete Praxen wie Dialysezentren oder onkologische Einrichtungen vorziehen. Jeder Wunsch nach Impfung ist verständlich und allemal sinnvoller als Störmanöver von Impfgegnern; aber alle Interessenten gleichzeitig zu bedienen ist nun einmal bei der begrenzten Menge vorhandenen Impfstoffs nicht möglich.

Glücklicherweise läuft die Produktion des Biontech-Impfstoffes auf täglich höheren Touren! Deshalb sind für die nächsten Wochen bereits feste Kontingente auch für die über 80-jährigen Menschen im Kreis Paderborn eingeplant, denen vor Eröffnung der Impfzentren keine Immunisierung angeboten werden konnte. Und genau so glücklicherweise gibt es ja eine Vielzahl anderer Impfstoffe, deren Zulassungsprozesse in den nächsten Wochen und Monaten ein Ende finden werden: Der Moderna- Impfstoff funktioniert – wie der von Biontech – auf mRNA-Basis, wird also eine ähnliche Kühlkette erfordern wie das erste verwendete Präparat. Dann aber kommt von AstraZeneca ein konventioneller Wirkstoff gegen COVID- 19-Infektionen, der somit auch problemlos in allen Praxen appliziert werden kann. Das wird einen gewaltigen Schub an Impfungen auslösen, aber natürlich auch einen gewaltigen Arbeitsaufwand für alle impfenden Kolleginnen und Kollegen in den Praxen.

Was nährt die Hoffnung, dass wirklich im 2. Quartal 2021 flächendeckend geimpft werden kann? Und dass dann im 3. Quartal Infektionszahlen und Verhaltenseinschränkungen deutlich reduziert sind? Neben den beschriebenen Produktionssteigerungen ist es das Engagement aller Beteiligten: Wenn wir sehen, wie engagiert die meisten Heimleitungen für die Impfung bei Bewohnern und Personal geworben haben, wenn Kolleginnen und Kollegen auf die Bitte der Heime nach Durchführung der Impfaktionen durchweg prompt und unter Hintanstellung persönlicher Urlaubs- und Freizeitgedanken reagiert haben, wenn täglich aus dem Kollegenkreis, den Krankenhäusern und von Privatpersonen drängende Anfragen kommen, wann sie denn endlich an der Reihe sind, dann dürfen wir sicher sein, dass ein Großteil der Bevölkerung bis zum Herbst diesen Jahres vor einer COVID-19- Infektion geschützt ist und dass Hotspots in Deutschland wohl nur noch in Gruppen von notorischen Impfverweigerern auftreten werden. An diesem Ergebnis werden dann viele beteiligt sein, mit Sicherheit auch das Praxisnetz Paderborn!

Dr. Gregor Haunerland

Ärztlicher Leiter Impfzentrum Kreis Paderborn

 

Hier die einzelnen Texte zum Download:

Übersicht + Einleitung

aerzteblatt

Auf Los geht’s los – Bericht von Dr. Haunerland